Niedersächsische Staatskanzlei klar

Das schnelle Internet für alle bis 2020 – Landesregierung beschließt umfassendes Breitbandförderkonzept

Bis zum Jahr 2020 sollen möglichst alle Haushalte in Niedersachsen mit einem Breitbandanschluss für das schnelle Internet versorgt werden. Ziel ist eine flächendeckende Grundversorgung mit mindestens 30 MBit/s. Das Kabinett hat mit einem entsprechenden Beschluss in seiner Sitzung am (heutigen) Dienstag im Breitbandkompetenzzentrum in Osterholz-Scharmbeck die Voraussetzungen hierfür geschaffen und ein umfassendes Förderkonzept beschlossen.

Das ‚Modell Niedersachsen' für die Breitbandförderung besteht aus zwei Komponenten:

Zum einen wird in den kommenden Jahren im Bereich Breitband ein Förderschwerpunkt geschaffen und über Zuschüsse aus den Fonds ELER[1], EFRE[2], GAK[3] und WFF[4] mit einem Gesamtvolumen von mehr als 60 Millionen Euro ausgestattet. Minister Christian Meyer erklärte am Rande der Kabinettssitzung, er freue sich, dass die Landesregierung damit erstmals einen gemeinsamen Förderschwerpunkt bei der Breitbandversorgung auch im Förderfonds für den ländlichen Raum angelegt habe.

Die zweite Komponente des ‚Modells Niedersachsen' ist das Erschließen weiterer umfangreicher Finanzierungsquellen neben den Förderfonds. Das Wirtschaftsministerium wurde beauftragt, die Voraussetzungen für die Beschaffung von Mitteln öffentlicher Geldgeber - etwa der europäischen Investitionsbank - bis zur Höhe von 500 Millionen Euro zu schaffen. Die NBank wird diese Summe dann als Darlehen an Landkreise zur Finanzierung kreiseigener Breitbandinfrastruktur weitergeben. Die Mittel sollen durch weitere Kredite etwa regionaler Banken und Sparkassen ergänzt werden. Die Landesregierung hält es für ein realistisches Ziel, auf diese Weise bis zum Jahr 2020 eine Milliarde Euro an Investitionen in das niedersächsische Breitbandnetz zu ermöglichen.

„Hochleistungsfähige Datenübertragungswege haben für die Zukunft des ländlichen Raums heute die gleiche Bedeutung wie gute Verkehrsnetze", so Ministerpräsident Stephan Weil. „Wirtschaftsunternehmen achten bei ihren Entscheidungen über Neuansiedlungen in ländlichen Regionen heute mehr denn je auf die Geschwindigkeit der Datenübertragung. Für den ländlichen Raum sind schnelle Breitbandanschlüsse unverzichtbar, das „Modell Niedersachsen" zur Breitbandförderung wird den ländlichen Raum deutlich stärken." Weil wies darauf hin, dass die sehr erfolgreiche Verknüpfung verschiedener Förderfonds ein erstes gutes Beispiel für die Umsetzung des neuen fondsübergreifenden Politikansatzes sei.

Auch Wirtschaftsminister Olaf Lies erklärte, die Bedeutung dieses Projektes für die niedersächsische Wirtschaft sei gar nicht hoch genug einzuschätzen. Derzeit gebe es noch viele weiße Flecken auf der Landkarte Niedersachsens. Angesichts der ständig zunehmenden Datenmenge im geschäftlichen Verkehr seien diese Gebiete regelrecht abgehängt von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung. „Hier werden wir mit unserem ‚Modell Niedersachsen' Abhilfe schaffen."

Über Zuschüsse und Kredite sollen die Landkreise gerade in den dünner besiedelten, ländlichen Gebieten in die Lage versetzt werden, den Ausbau der schnellen Internetverbindung voranzutreiben. „Alle Regionen, alle Betriebe und alle Bürgerinnen und Bürger müssen", so Minister Meyer, „im Interesse gleichwertiger Lebens- und Arbeitsbedingungen schnelle Internetverbindungen erhalten."

Minister Lies appelliert an die Bundesregierung, ebenfalls zusätzliche Mittel für eine flächendeckende Breitbandinfrastruktur zur Verfügung zu stellen: „Wir fordern Alexander Dobrindt auf, die zugesagte Unterstützung des Bundes für weiteren Breitbandausbau rasch zu gewähren. Damit könnten wir dann unser nächstes Zwischenziel einer mindestens 50 MBit/s Grundversorgung erreichen."

Zum Hintergrund: Nach den bisherigen Erfahrungen investieren Telekommunikationsunternehmen nur dort in digitale Netze, wo aufgrund der Bevölkerungsdichte eine hohe Nachfrage bei den kostenpflichtigen Dienstleistungen zu erwarten ist. Umgekehrt bedeutet dies: Die Versorgung mit schnellem Internet ist umso lückenhafter, je dünner besiedelt eine Region ist. Bezogen auf das formulierte Ziel des Landes (Versorgung mit 30 MBiT/s) sind zurzeit noch 30 Prozent der bewohnten Fläche Niedersachsens (ca. 700.000 Gebäude) unterversorgt. Die Landesregierung sieht hier bis zum heutigen Tag ein Marktversagen. Da, wo der Marktmechanismus aus Angebot und Nachfrage nicht zu den volkswirtschaftlich gewünschten Ergebnissen führt, ist nach Überzeugung der Landesregierung die Unterstützung der öffentlichen Hand erforderlich. Auch der ländliche Raum in Niedersachsen bietet hohe Entwicklungspotentiale, die jedoch ohne Anbindung an das schnelle Internet oft nicht verwirklicht werden können.

Zum Verfahren: Die Federführung im „Modell Niedersachsen" übernimmt das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, eng beteiligt ist das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Als zentrale Stelle für die Förderung und Finanzierung kommunaler Breitbandvorhaben ist die NBank vorgesehen. Sie soll die Landkreise als Antragsteller beraten, die Vorhaben und Anträge der Landkreise unter Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten begutachten und Förderempfehlungen abgeben.

Im Rahmen der Antragstellung wird geprüft, inwieweit der Ausbau über einen Kredit der NBank finanziert werden kann, über die vorgesehenen Zuschüsse können dann noch vorhandene Wirtschaftlichkeitslücken geschlossen werden. Die Ämter für regionale Landesentwicklung werden als Bewilligungsstelle für die Breitbandmittel aus dem ELER an zentraler Stelle eng eingebunden, um möglichst effiziente und unbürokratische Abwicklungsprozesse zu gewährleisten.


[1] Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums

[2] Europäischer Fonds für regionale Entwicklung

[3] Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz

[4] Niedersächsischer Wirtschaftsförderfonds

Presseinformationen
Artikel-Informationen

10.06.2014

Ansprechpartner/in:
Pressestelle der Niedersächsischen Landesregierung

Nds. Staatskanzlei
Planckstraße 2
30169 Hannover
Tel: 0511/120-6946
Fax: 0511/120-6833

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