Niedersächsische Staatskanzlei klar

Zusammenarbeit mit der Republik Tansania

Zusammenarbeit mit der Republik Tansania

Neben der langjährigen Partnerschaft mit der Provinz Eastern Cape in Südafrika engagiert sich die Niedersächsische Landesregierung seit 2010 in Tansania. Ausgangspunkt der Zusammenarbeit mit Tansania war der Wunsch des früheren Bundespräsidenten Horst Köhler an die Niedersächsische Landesregierung, in Subsahara-Afrika über die bestehende Partnerschaft Niedersachsens zu Eastern Cape hinaus Zusätzliches an Entwicklungszusammenarbeit zu leisten. Der Auslöser war ein Schiff mit einer wechselvollen Geschichte: Die vor knapp 100 Jahren im niedersächsischen Papenburg gebaute MS Liemba, ehemals Graf Goetzen. Sie fährt noch heute auf dem Tanganjika-See und steht für deutsche Ingenieurskunst und Wertarbeit sowie für ein gemeinsames historisches Erbe von Tansania und Deutschland. Das Schiff ist auch durch Filme wie „African Queen" zu einem Mythos geworden.

2010 und 2011 fanden projektbezogene Delegationsreisen mit Vertreterinnen und Vertretern niedersächsischer Nichtregierungsorganisationen (engl. NGO´s) nach Tansania statt, um denkbare Kooperationsfelder zu erschließen. Ziel war es, auf vorhandene Strukturen niedersächsischer Schulen, Hochschulen, Fachministerien, Kirchen und NGO's aufzubauen sowie laufende Projekte im Sinne von „Hilfe zur Selbsthilfe" in Tansania zu stärken. Die Niedersächsische Landesregierung möchte ihre Möglichkeiten der politischen Einflussnahme nutzen und mit personellem und logistischem Know-how Kooperationsprojekte in Tansania nachhaltig fördern.

Projekte

Das symbolträchtigste und für die regionale wirtschaftliche Entwicklung bedeutsamste Projekt ist die Renovierung der MS Liemba. Das Schiff wird aus entwicklungspolitischen Gründen dringend gebraucht, weil insbesondere die Handel treibenden Frauen rund um den See auf eine zuverlässige Schiffsverbindung angewiesen sind. Inzwischen dient es überdies als Transportmittel für den UNHCR, um Flüchtlinge aus Burundi nach Tansania zu bringen. Das Schiff ist zwar seetüchtig, aber dringend überholungsbedürftig. Aktuell werden Finanzierungsmöglichkeiten für eine Überholung, ggf. unter Beteiligung der Wirtschaft, geprüft.

Ein Beispiel für die vielen, sehr engagierten Schulpartnerschaften zwischen niedersächsischen und tansanischen Schulen ist ein Pflanz-Projekt der Helene-Lange-Schule Hannover mit der Msitu wa tembo Secondary School in Langasani/Moshi. Mit dem Projekt „Zurück zum Wald der Elefanten" soll mit der Anpflanzung von Moringa-Bäumen, die in Tansania heimisch sind, ein wüstenähnlicher Boden auf dem Schulgelände wieder befestigt und der positive Einfluss auf den Grundwasserspiegel veranschaulicht werden. Ziel der Begegnung ist es, den interkulturellen Austausch zwischen SchüllerInnen und LehrerInnen beider Schulen zu vertiefen und das Problem der Abholzung und des Klimawandels zu thematisieren.

Das Institut für Sonderpädagogik der Leibniz Universität Hannover baut mit Unterstützung des Landes seit einigen Jahren eine Struktur in Tansania auf, die die Versorgung von Kindern mit Sprach- und Sprechproblemen verbessern soll. Nach dem Aufbau einer entsprechenden akademischen Ausbildung an der Sebastian Kolowa Memorial University und der Gründung eines Kinderheims in der Region Lushoto (Nordosttansania) fördert die Landesregierung inzwischen den Aufbau einer Tagespflegeeinrichtung für Kinder mit Sprach- und Entwicklungsstörungen. Lushoto liegt in einer medizinisch stark unterversorgten Region und bietet bisher keine Möglichkeiten zur sicheren Tagespflege und zur Förderung von Kindern mit Behinderungen. Auf diese Weise wird der Gefahr begegnet, dass die Kinder vernachlässigt oder von den Eltern in ihrer Not ausgesetzt werden. Zusätzlich unterstützt die Landesregierung die energetische Sanierung und Ausstattung des Kinderheims mit einer Solar-Anlage. Dies ist erforderlich, um die Sicherheit (Einbau von Kindersicherungen) zu erhöhen und um das sonderpädagogische Personal zu entlasten, das bislang viel Zeit für allgemeine Hausarbeiten; wie etwa das Waschen der Wäsche von Hand; aufwenden musste.

Die zunehmende Landflucht in Afrika verstärkt den Druck auf die Städte und die Slumbildung. Um dem entgegen zu wirken, fördert die Landesregierung unter anderem den Aufbau eines landwirtschaftlichen Modellbetriebes in der Diözese Rulenge-Nagara zur ökologischen Erzeugung von Moringa, das wir zum Beispiel als Wirkstoff in Kosmetikprodukten oder als Tee kennen. Dazu gehört das Training der in der Landwirtschaft arbeitenden Bevölkerung im Anlegen einer Moringa-Baumschule, beim Aufbau der Trocknungseinrichtungen und Ölpressen sowie im Marketing. Das ökologisch erzeugte Moringa soll eine Zertifizierung für den europäischen Markt erhalten. Die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln ist in Niedersachsen größer als das Angebot.

Ein Beispiel für erfolgreiche entwicklungspolitische Jugendarbeit ist die Kooperation zwischen dem Niedersächsischen Kinder- und Jugendzirkus Circ`a Holix und der Akrobatikgruppe der Natiro Secondary School aus dem am Fuße des Kilimanjaro liegenden Moshi. Bei einem Besuch von Schülerinnen und Schülern der Natiro Secondary School in Hannover im Jahr 2015 waren die beiden Gruppen mit gemeinsamen Auftritten Bestandteil des Programms beim „Kleinen Fest im Großen Garten", das jährlich tausende Zuschauer anzieht.

Tansania

Die Republik Tansania liegt in Ostafrika am Indischen Ozean. Sie grenzt an Kenia und Uganda im Norden, Ruanda, Burundi und die Demokratische Republik Kongo im Westen und Sambia, Malawi und Mosambik im Süden. Es ist seit der Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich am 9. Dezember 1961 Mitgliedstaat des Commonwealth of Nations.

Nachdem das ehemalige Tanganjika (das Festlandgebiet mit der Insel Mafia umfassend) 1961 von der Mandatsmacht Großbritannien unabhängig geworden war, verband es sich 1964 mit Sansibar (Inseln Pemba und Unguja) zu Tansania, dessen Landesname aus Tanganjika, Sansibar sowie der Bezeichnung Azania zusammengesetzt ist. Die rund 49,3 Millionen Tansanier sprechen 125 verschiedene Sprachen, größtenteils Bantusprachen, aber auch nilotische und kuschitische Sprachen, Arabisch sowie indische Sprachen. Amtssprachen sind Swahili und Englisch. Die Hauptstadt ist Dodoma, Regierungssitz und größte Stadt ist jedoch die Küstenstadt Daressalam.

Ansprechpartner/in

Frau Inger Steffen

Tel.: 0049 (0) 511/120-6809

E-Mail inger.steffen@stk.niedersachsen.de


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