Niedersächsische Staatskanzlei klar

Partnerschaft mit der Provinz Eastern Cape (Republik Südafrika)

Der deutschen Bundesregierung war nach dem Ende der Apartheid in den 1990er Jahren sehr an einer Zusammenarbeit mit Südafrika und seinen neun neu gegründeten Provinzen gelegen, um dazu beizutragen, dass im wichtigsten Industrieland Afrikas die Weichen zu einer friedlichen und demokratischen Entwicklung gestellt werden.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat Niedersachsen gebeten, eine Partnerschaft mit einer Provinz in Südafrika einzugehen. Die Verbindung zum Eastern Cape bestand damals bereits durch die VW-Produktionsstätte in Uitenhage, deren Historie bis ins Jahr 1956 zurückreicht.

Eastern Cape umfasst die beiden ehemaligen Homelands Transkei und Ciskei, die während der Apartheid stark vernachlässigt wurden. Infolgedessen ist Eastern Cape die zweitärmste Provinz Südafrikas. Aus der Transkei stammen der Freiheitskämpfer und erste Präsident der Republik Südafrika Nelson Mandela und weitere führende Persönlichkeiten der südafrikanischen Geschichte.

Über 20 Jahre Partnerschaft

Seit 1995 pflegen Niedersachsen und Eastern Cape eine lebendige Partnerschaft, die sich durch vielfältige Projekte und eine aktive Besuchskultur auszeichnet.

Zu Beginn war es das zentrale Ziel, den Aufbau demokratischer und stabiler Verwaltungsstrukturen auf Provinzebene voranzubringen und eine Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Bildung und Tourismus zu etablieren. Die Partnerschaft wurde über die Jahre kontinuierlich weiter entwickelt und erstreckt sich heute insbesondere auf die wissenschaftliche Zusammenarbeit, Jugendbegegnung, den Sport, Gesundheit, erneuerbare Energien und Klimaschutz.

Während einer Delegationsreise des stellvertretenden Niedersächsischen Ministerpräsidenten Stefan Wenzel gemeinsam mit der Staatssekretärin in der Staatskanzlei Birgit Honé im Oktober 2015 anlässlich des 20jährigen Jubiläums der Partnerschaft haben die Partner mit einer neuen Gemeinsamen Erklärung deutlich gemacht, dass beide Regionen die Partnerschaft vertieft weiter führen wollen.(Gemeinsamen Erklärung vom 15./20.10.15 in Deutsch und Englisch)

Die Entwicklungspolitischen Leitlinien des Landes Niedersachsen (Link) stellen die Zusammenarbeit mit der Provinz Eastern Cape als zentralen Bestandteil der niedersächsischen Entwicklungszusammenarbeit heraus. Das Land Niedersachsen unterstützt dabei auch die kommunale Entwicklungszusammenarbeit wie beispielsweise die Zusammenarbeit der Stadt Oldenburg mit der Buffalo City Metropolitan Municipality. Auch entwicklungspolitische Organisationen wie die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) sowie im Eastern Cape ansässige niedersächsische Unternehmen wie Continental und Volkswagen sind an Projekten beteiligt.

Die Landesregierung unterstützt z. B. den Aufbau eines Trainingszentrums für angehende Solartechnikerinnen und –techniker in East London. Das Trainingszentrum ist das einzige Institut in Südafrika, das die Ausbildung zur „Solarteurin“ oder „Solarteur“ anbietet. Die ersten Absolventinnen und Absolventen erhielten im Oktober 2015 ihre Diplome vom stellvertretenden Niedersächsischen Ministerpräsidenten Wenzel. Damit haben sie gleichzeitig die südafrikanische Qualifikation zum Industrie-Elektroinstallateur und die internationale Qualifikation zur bzw. zum „Solarteur/in“ erreicht.

Des Weiteren beteiligt die Landesregierung sich an einem Programm der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) für ökologisches Wirtschaften in Südafrika. Darin fördert die Landesregierung eine Kooperation niedersächsischer Berufsschulen und Handwerkskammern mit Schulen im Eastern Cape zur Einführung dualer Ausbildungsgänge in den Berufen Elektro- und Versorgungstechnik. Die Lehrenden erhalten z. B. Fortbildungen zu den Unterrichtsinhalten oder zum Management eines Berufsschulzentrums. Das Projekt ist ein Leuchtturmprojekt bei der Umsetzung der Entwicklungspolitischen Leitlinien.

Ein weiteres Pilotprojekt der Landesregierung ist die Entwicklung einer regenerativen Off-Grid-Stromerzeugungsanlage, einer Kombination aus Windenergie- und Biogasanlage, damitDorfgemeinschaften in entlegenen Regionen des Eastern Cape ihren eigenen Strom aus erneuerbaren Energien erzeugen können. Neben der Werbung für die erneuerbaren Energien hat dies den positiven Effekt, dass die Dörfer unabhängig vom staatlichen Netz und häufigen Stromausfällen werden.

Der Austausch im Sport mit dem Eastern Cape wurde in den letzten zehn Jahren ausgebaut und hat für viele sportliche und persönliche Begegnungen gesorgt. Der Niedersächsische LandesSportBund führt Seminare im Sportmanagement durch und koordiniert die Zusammenarbeit im Sport. In Sportarten wie z. B. Triathlon, Boxen, Handball und Fußball werden Sportler/innen und Trainer/innen im Eastern Cape aktiv unterstützt. In der Folge hat der Läufer Lusapho April aus dem Eastern Cape 2016 den Hannover Marathon gewonnen.

Ein besonders schönes Beispiel im Sport ist die Arbeit der vielen Weltwärts-Freiwilligen. Seit mehreren Jahren entsendet der Sportverein ASC Göttingen über 30 Freiwillige pro Jahr ins Eastern Cape. Die Sport-Freiwilligen arbeiten an Townshipschulen und in Kinderheimen und ermöglichen, dass viele Kinder erstmals Sportunterricht erhalten. Daneben werden mit Unterstützung der Continental AG weitere sportliche Aktivitäten wie Schwimmkurse, Fußballtraining und Sportfeste für die Kinder angeboten. Erfreulicherweise sind inzwischen auch Weltwärts-Freiwillige aus dem Eastern Cape in Niedersachsen in einem zweisprachigen Kindergarten eingesetzt. Der Austausch trägt zum gegenseitigen Verständnis bei (http://www.ifwd-sport.de/).

Die Provinz Eastern Cape

Die Provinz Eastern Cape (Ostkap) entstand 1994 im Rahmen der Verfassungsgebung und der föderalen Ausgestaltung der Republik Südafrika durch die Vereinigung der „weißen“ Städte East London und Port Elizabeth mit den ehemaligen „schwarzen“ Homelands Ciskei und Transkei. Westlicher Nachbar ist die Provinz Western Cape mit der Hauptstadt Kapstadt. Die Provinz ist mit fast 170.000 qkm Fläche fast halb so groß wie Deutschland und etwa dreimal so groß wie Niedersachsen (47.613 qkm).

Die Landschaft ist über weite Strecken noch unberührt und außerordentlich vielfältig. Vom Ödland der Great Karoo über Berggebiete von über 2000 Metern Höhe bis zum fruchtbaren Ackerland ist die Vegetation sehr abwechslungsreich: Es gibt sowohl Reste immergrüner au-ßertropischer Wälder als auch Graslandschaften und Dornbusch-Savanne. Rund 1000 Kilo-meter Küste mit unzähligen Traumstränden, Fischerdörfern und Seebädern sowie den Metropolen Port Elizabeth und East London hat die Provinz zu bieten. Im Addo Elephant National Park, Tsitsikamma-Nationalpark und anderen Natur- und Wildreservaten wird die Landschaft bewahrt und es werden dem Besucher exzellente Möglichkeiten geboten, die Natur und afrikanisches Großwild zu erleben.

Die Bevölkerungsdichte ist vergleichsweise gering. Nur rund 6,8 Mio. Einwohnerinnen und Einwohner leben im Eastern Cape - im Vergleich zu Niedersachsen mit 7,9 Mio. Einwohnern auf nur einem Drittel der Fläche. 85 Prozent der Einwohner gehören der Xhosa Bevölke-rungsgruppe an und leben in den einstigen Homelands Transkei und Ciskei.

Das Ostkap ist die Heimat des ANC. Die ehemaligen Präsidenten Nelson Mandela und Thabo Mbeki stammen von dort, ebenso wie viele weitere bekannte Persönlichkeiten der Anti-Apartheidsbewegung, beispielsweise Govan Mbeki, Walter und Albertina Sisulu, ferner Chris Hani und Steve Biko. Das Eastern Cape wird darum auch als „Home of Legends“ bezeichnet.

Ansprechpartner/in

Frau Nina Truchseß

Tel.: +0049 (0) 511/120-6809

Email: nina.truchsess@stk.niedersachsen.de

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