Weil: „Mehr Staatsferne tut dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk gut“ – Entscheidung des Verfassungsgerichts bleibt hinter den Erwartungen zurück
Der Niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil hat das (heutige) Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum ZDF-Staatsvertrag ausdrücklich begrüßt: „Mehr Staatsferne tut dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk gut.“ Von den Erfahrungen des NDR mit staatsfern organisierten Gremien könnten auch andere öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten profitieren. „Die Länder müssen nun zeitnah festlegen, welche Änderungen des ZDF-Staatsvertrags zur Umsetzung der höchstrichterlichen Entscheidung notwendig sind“, sagte Weil in Hannover.
Die Karlsruher Richter hatten zuvor entschieden, dass der Anteil von Politikern und staatsnahen Personen im Fernseh- und Verwaltungsrat des ZDF von derzeit 44 Prozent auf maximal ein Drittel beschränkt werden müsse. Außerdem dürfen die Landesregierungen auf die Auswahl der von gesellschaftlich relevanten Organisationen entsandten Gremienmitglieder in Zukunft keinen bestimmenden Einfluss nehmen.
Die Länder Rheinland-Pfalz und Hamburg hatten beim Verfassungsgericht eine abstrakte Normenkontrolle gegen verschiedene Normen des ZDF-Staatsvertrages bzw. formal gegen die entsprechenden Ratifizierungsgesetze der Länder beantragt. Inhaltlich ging es um den Anteil der Gremienmitglieder, der von staatlicher Seite in den ZDF-Fernsehrat und in den ZDF-Verwaltungsrat entsandt wird, und welche Gremienmitglieder der staatlichen Seite zuzurechnen sind. Beide Länder vertraten die Auffassung, dass das vom Bundesverfassungsgericht entwickelte Gebot der Staatsferne des öffentlichen Rundfunks beim ZDF nicht gewahrt und dadurch die Rundfunkfreiheit (Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG) verletzt sei.
Nachdem Niedersachsen zunächst gemeinsam mit anderen CDU-regierten Ländern die Gegenposition vertreten hatte, verhielt sich das Land nach dem Regierungswechsel im Februar 2013 prozessrechtlich neutral. Allerdings hatte die neue Landesregierung von Beginn ihrer Amtszeit jede Gelegenheit genutzt, die Bedeutung staatsferner Rundfunkgremien hervorzuheben.
Artikel-Informationen
erstellt am:
25.03.2014
Ansprechpartner/in:
Pressestelle der Niedersächsischen Landesregierung
Nds. Staatskanzlei
Planckstraße 2
30169 Hannover
Tel: 0511/120-6946
Fax: 0511/120-6833