HANNOVER. "Jungen Menschen Chancen geben und den Fachkräftenachwuchs für Niedersachsen sichern" - mit diesem Ziel haben die Landesregierung, Kammern, Verbände und die Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit einen neuen Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs für die Jahre 2010 bis 2013 geschlossen.
Der Ausbildungsmarkt steht in den nächsten Jahren vor besonderen Herausforderungen. Wirtschaftskrise und demographische Entwicklung erfordern auch weiterhin die engagierte Zusammenarbeit aller Partner in der beruflichen Bildung.
"Ausbildung sichert nachhaltig die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Niedersachsen, das gilt für Politik und Wirtschaft gleichermaßen", sagte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff. "Trotz der Wirtschaftskrise ist der Ausbildungsstellenmarkt in Niedersachsen im vergangenen Jahr stabil geblieben. Das ist auf die gemeinsamen Anstrengungen der Ausbildungspaktpartner in den letzten Jahren zurückzuführen. Die ambitionierten Ziele wurden eingehalten. Die Landesregierung dankt allen Unternehmen in Niedersachsen, die ihre Ausbildungsanstrengungen in einem insgesamt schwierigen wirtschaftlichen Umfeld aufrechterhalten haben. Ich freue mich sehr, dass alle Paktpartner ihren Einsatz für Ausbildungsplätze und gute Beschäftigungsperspektiven für junge Menschen auf hohen Niveau fortsetzen wollen", so Wulff bei der Unterzeichnung des Paktes.
"Es ist uns wieder gelungen, für die nächsten Jahre gemeinsame Ziele zu vereinbaren und ein umfangreiches Maßnahmepaket zu schnüren, das den Fachkräftenachwuchs in Niedersachsen sichert. Die Konkurrenz um qualifizierte Nachwuchskräfte wird in Zukunft zunehmen. Deshalb müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass kein junger Mensch den Anschluss verliert und die Unternehmen ihre Ausbildungsplätze besetzen können", betonte der niedersächsische Wirtschafts- und Arbeitsminister Bode.
Der Niedersächsische Pakt für Ausbildung sei eine Erfolgsstory, so zogen die Paktpartner Bilanz der vergangenen Jahre.
- Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge konnte kontinuierlich gesteigert werden. Mit knapp 60.000 neuen Ausbildungsverträgen wurden im Ausbildungsjahr 2007/2008 die meisten neuen Ausbildungsverträge seit 1992 registriert.
- Zum zweiten Mal in Folge gab es zum Ende des Ausbildungsjahres mehr unbesetzte Ausbildungsstellen als unversorgte Bewerber.
- Die Landesregierung hat erfolgreich Maßnahmen zur Verbesserung der Ausbildungsreife und Berufsorientierung umgesetzt und mit Landesprogrammen zur Förderung von Ausbildungsplatzakquisiteuren, Verbundausbildung, überbetrieblicher Lehrlingsunterweisung, Insolvenzlehrlingen, Jugendwerkstätten und Pro-Aktiv-Centren (PACE) für Jugendliche zahlreiche Chancen für die Aufnahme einer Ausbildung geschaffen.
- Die Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit hat die Förderinstrumente erfolgreich eingesetzt und eine Vielzahl von Jugendlichen im Rahmen der vertieften Berufsorientierung erreicht.
Die Partner begrüßen die Weiterentwicklung und Fortsetzung des Ausbildungspaktes. Der Pakt sei ein gutes Instrument, das duale Ausbildungssystem zu stärken. Eine besondere Herausforderung sei der demographische Wandel, der sich in einem deutlichen Rückgang der Gesamtzahl der ausbildungsplatzsuchenden Jugendlichen niederschlage. Bereits jetzt gelingt es nicht, alle Ausbildungsplätze zu besetzen.
Die Partner haben folgende Schwerpunkte verabredet:
Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit
Bis zum Ende der Paktlaufzeit soll die Quote der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss auf 5 % gesenkt werden. Die Sicherstellung der Unterrichtsversorgung und die Verbesserung der Unterrichtsqualität haben eine hohe Priorität. Weiterhin bleibt die besondere Förderung lernschwächerer Schülerinnen und Schüler ein Schwerpunkt der Landesregierung.
Berufsorientierung in den allgemein bildenden Schulen.
Berufsorientierung ist Teil der schulischen Allgemeinbildung und zugleich das Bindeglied zwischen Schule und Arbeitswelt. Damit Jugendliche sich für einen passenden Beruf entscheiden können, müssen sie Ihre Kompetenzen und Neigungen realistisch einschätzen können und die Möglichkeiten des Arbeitsmarktes kennen lernen. Die Landesregierung intensiviert in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit, den Kammern, Wirtschaftsverbänden und Betrieben die Maßnahmen zur besseren Berufsorientierung. Die Zusammenarbeit zwischen allgemein bildenden und berufsbildenden Schulen wird verstärkt.
Gewinnung neuer Ausbildungsplätze und ergänzender Angebote
Der dualen Berufsausbildung kommt bei der Sicherung des Fachkräftenachwuchses in Niedersachsen eine besondere Bedeutung zu. Die Paktpartner wollen möglichst vielen, auch weniger leistungsstarken Jugendlichen die Chance auf eine Ausbildung eröffnen. Die Wirtschaft bekräftigt die Zielmarken, jährlich 3000 neue Ausbildungsplätze sowie 3000 Plätze für Einstiegsqualifizierungen einzuwerben.
Ausschöpfung des verfügbaren Ausbildungsplatzangebotes
Damit die niedersächsischen Unternehmen die angebotenen Ausbildungsplätze besetzen können, soll die passgenaue Vermittlung von Jugendlichen intensiviert werden. Kammern bieten Betrieben und Auszubildenden zur Reduzierung von Ausbildungsabbrüchen Hilfen an.
Berufsbildende Schulen
Alle berufsbildenden Schulen in Niedersachsen sollen zu regional- und kundenorientierten Dienstleistern der beruflichen Bildung weiterentwickelt und die Leistungsfähigkeit und Qualität der Arbeit nachhaltig gesteigert werden.
Berufsvorbereitung und Integration benachteiligter junger Menschen in Ausbildung
Für nicht mehr schulpflichtige, noch nicht berufsreife, sozial benachteiligte und schwer integrierbare oder nicht integrationswillige Jugendliche werden berufsvorbereitende Maßnahmen, ausbildungsbegleitende Hilfen sowie die Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen weiterhin angeboten. Die Landesregierung wird die Förderung der Pro-Aktiv-Centren und Jugendwerkstätten fortsetzen. Die Unterzeichner des Ausbildungspaktes setzen sich dafür ein, Ausbildungsmöglichkeiten für behinderte junge Menschen zu erweitern.
Berufsausbildung von Migrantinnnen und Migranten
Die Paktpartner sind sich einig, die Ausbildungsbeteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu steigern. Sie setzen dazu bei den Jugendlichen, bei den Eltern und auch den Unternehmen an.
Steigerung der Attraktivität beruflicher Bildung
Die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit der beruflichen Bildung soll gesichert und verbessert werden. Das Online-Portal www.ausbildung.niedersachsen.de bietet Antworten auf Fragen der Jugendlichen und Unternehmen zum Thema Ausbildung in Niedersachsen und bündelt alle ausbildungsrelevanten Informationen der Paktpartner.
Die Landesregierung startet die Förderung regionaler Modellprojekte, die auf eine Verbesserung der Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt oder eine nachhaltige Fachkräftesicherung durch betriebliche Ausbildung abstellen. Dafür stehen 1,5 Mio. € aus Mitteln des ESF und des Landes zur Verfügung.
Partner des Paktes für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs sind:
Niedersächsischer Ministerpräsident
Niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
Niedersächsische Ministerin für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit
Niedersächsische Kultusministerin
Niedersächsischer Industrie- und Handelskammertag
Niedersächsische IHK-Arbeitsgemeinschaft Hannover-Braunschweig
Unternehmerverbände Niedersachsen
Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen
Unternehmensverbände Handwerk Niedersachsen
Landesverband der Freien Berufe
Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Landvolk Niedersachsen – Landesbauernverband e.V.
Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit